Making-Of

Idee und KÖpfe

Jede dritte Frau in Deutschland hat schon einmal körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt. Doch das Thema erfährt nur selten die nötige öffentliche Aufmerksamkeit – vielfach wird Gewalt toleriert, ignoriert oder bagatellisiert. Genau darauf weisen die mehrfach preisgekrönte Comiczeichnerin Isabel Kreitz und der Illustrator Stefan Dinter mit ihrer Graphic Novel „Hinter Türen“ hin.

Eine Graphic Novel ermutigt zum Hinschauen

„Hinter Türen“ erzählt die spannende und aufrüttelnde Geschichte zweier Frauen, die auf sehr unterschiedliche Weise Gewalt erleben und damit umgehen. Das Besondere dabei: Die Gewalt ist nirgends zu sehen. „Wir haben Wert darauf gelegt, die Gewalt nicht direkt zu zeigen. Sie passiert sozusagen zwischen den Bildern. Je mehr im Kopf stattfindet, umso mehr werden die Leserinnen und Leser zur Auseinandersetzung ermutigt“, sagt Stefan Dinter.

Mit „Hinter Türen“ möchten Isabel Kreitz und Stefan Dinter Menschen für das Thema und seine vielfältigen Formen und Facetten wie etwa häusliche Gewalt und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz sensibilisieren. So machen sie zugleich Mut, bei Gewalt nicht wegzusehen, sondern zu helfen. „Ich wünsche mir, dass alle Menschen lernen, beim Thema Gewalt gegen Frauen genau hinzuschauen und zu interpretieren, was sie wahrnehmen“, so Isabel Kreitz.

Entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“

Den Impuls zur Graphic Novel gibt das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“. Doch schnell finden Isabel Kreitz und Stefan Dinter über eigene Recherchen und Gespräche mit Mitarbeiterinnen des Hilfetelefons einen Zugang zum Thema. Gemeinsam entwickeln sie die Grundzüge der Geschichte, bevor Isabel Kreitz der Graphic Novel mit ihren Zeichnungen, Figuren und Dialogen Leben einhaucht. „Die Umgebung der Geschichte und auch die Figuren sind eher unspektakulär und bewusst alltäglich gewählt. So machen wir deutlich, dass Gewalt gegen Frauen mitten in der Gesellschaft stattfindet“, sagt Isabel Kreitz. Stefan Dinter sorgt mit seinen Tuschezeichnungen und Kolorierungen für die besondere Atmosphäre der Graphic Novel.

Im Ergebnis entsteht eine Erzählung, die zwar fiktiv ist, jedoch stellvertretend steht für die vielen Frauen, die tagtäglich beim bundesweiten Hilfetelefon anrufen und Unterstützung erhalten. Die Graphic Novel fordert dazu auf, hinter die Kulissen und Fassaden zu blicken. „Genau dort, im Verborgenen, findet Gewalt häufig statt“, so Petra Söchting, die Leiterin des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“. „Aus tausenden Beratungsgesprächen wissen wir: Hinter den Türen so mancher Wohnungen und Büros erleben Frauen Gewalt – sei es körperliche Gewalt, sexualisierte Gewalt oder psychische Gewalt. Die Fälle in der Graphic Novel sind frei erfunden. Aber die Gewalt gegen Frauen in unserer Gesellschaft ist es nicht.“

Isabel Kreitz

Isabel Kreitz gehört zu den besten Comiczeichnerinnen Deutschlands. Ihre Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Max-und-Moritz-Preis. Für Andreas Platthaus von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist sie der „stille Star des deutschen Comics“. Isabel Kreitz lebt und arbeitet in Hamburg.

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Stefan Dinter

Stefan Dinter ist zweifacher Gewinner des ICOM-Independent-Comic-Preises. Er arbeitet seit 1995 als freier Illustrator und Comiczeichner für Zeitungen, Schulbuchverlage und Filmproduktionen. Stefan Dinter ist Gastdozent für sequenzielle Illustration an der Merz-Akademie und lebt in Stuttgart.

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